Die Entstehung von Bürgermoos
 

Der Ortsteil Bürgermoos war früher im Besitz der Grafen von Montfort. Die Stadt selbst hatte keine Wälder, doch die Bürger hatten in den gräflichen Wäldern das Holzrecht, d. h. sie durften jährlich ein bestimmtes Quantum Holz holen, mußten dafür als Gegenleistung eine jährliche Abgabe leisten.

Als die Bürger 1768 wieder um die Genehmigung zum Holzholen baten, machte der regierende Graf Franz Xaver ihnen den Vorschlag, der Stadt ein Stück Wald zu verkaufen. Am 4. März 1768 verkaufte der Graf im Einverständnis mit seinem Bruder Graf Anton IV., Generalleutnant des Schwäbischen Kreises, der Bürgerschaft von Tettnang den oberen und unteren Wald. Der obere Wald umfaßte den Argenhardter und Oberhofer Kapf sowie Hasenlecke. Der untere Wald bestand aus dem Hagenbucher Moos. Dieses umfaßte 192 Jauchert, war sumpfig und morastig und hauptsächlich mit Erlen bepflanzt. Das untere Moos hatte 92 3/4 Jauchert. Der Kaufpreis für beide Wälder betrug 10000 Gulden. Durch die immensen Schulden der Montfortgrafen sah sich Franz Xaver wohl zu diesem Verkauf genötigt. Doch auch die Stadt bzw. ihre Bürger waren verschuldet und so wurde von der Bürgerschaft beim Spital Konstanz eine Anleihe von 10000 Gulden gemacht. Dabei unterschrieben sieben Bürger diese Obligation als Bürgen. Die Rückzahlung des Geldes verzögerte sich aufgrund der Napoleonischen Kriege. Erst 1828 konnte der Betrag an das Spital zurückbezahlt werden.

Der obere und untere Wald wurden an die Bürgerschaft in einzelnen Teilen zur Nutznießung gegen eine kleine Pachtsumme übergeben. 1821 wurden dann die einzelnen Teile des unteren Waldes und des Mooses an die Bürgerschaft als Eigentum verkauft. Damals entstand dann auch wahrscheinlich der Name "Bürgermoos" für dieses Gelände, denn bereits auf einer Flurkarte von 1825 ist jenes Flurstück mit eben diesem Namen bezeichnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in Bürgermoos die ersten Wohnhäuser errichtet. Auf dem Gelände der Witwe des Gerbermeisters Buß entstanden 2 Häuser. Durch einen Bebauungsplan zu Beginn der 50er Jahre wurde der Wohnplatz Bürgermoos, der 1931 noch 12 Personen beherbergte, kontinuierlich ausgebaut.

Die Zeit zwischen 1944 und 1948 ist als tragischste Phase in die Geschichte der Donauschwaben eingegangen. In dieser Zeit wurden wir verschleppt, entrechtet, enteignet und vertrieben.

Heimatlos und rechtlos wurden wir in der von uns mit aufgebauten Heimat.

Unsere Volksgruppe wurde zerschlagen und damit eine fast 25ojährige Aufbauarbeit brutal abgebrochen, ein Teil unserer Leistungen sogar zerstört.

1956 und folgende Jahre wurden in Bürgermoos von der Stadt Grundstücke erworben. Damals zum Teil Streuwiesen.

Die Donauschwaben haben den Mut aufgebracht, in diesem "Feuchtgebiet" Häuser zu bauen. Diesem Volksstamm wird besonderer Fleiß nachgesagt, Pioniergeist. Widrigste Umstände nicht nur baugrundmäßig sondern auch finanziell durch betrügerische Machenschaften eines Grundstücksmaklers.

Die Leute haben es trotzdem geschafft. Damals waren die Ansiedlungen als Nebenerwerbssiedlung konzipiert, deshalb auch heute noch der mitunter große Zuschnitt der Bauplätze. Aus diesen Anfängen heraus war damals für die Bebauung ein Bebauungsplan des Stadtbauamtes von 06.03.1956 entstanden; auch Gewerbeansiedlungen die Fa. Reiß hat eine erste Halle gebaut, damals noch mitten in der grünen Landschaft. Später erfolgte dann eine weitere Ausweisung von Baugebieten bis zum heutigen Bebauungsplan Bürgermoos.

Die Entscheidung zeichnet sich im Grundstückskaufpreis ab z.B. wurden für die ersten Bauplätze 1956 für 60 Pfennig und dann 1,40 DM bis zu 2,50 DM bezahlt. Heutiger Kaufpreis liegt für die Nettobaufläche etwa bei 200,-- DM pro Quadratmeter.

Gemeinschaft hat sich in Bürgermoos zusammengefunden. Davon zeugen Aktivitäten, wie Schaffung eines Sportplatzes und Sportlerheim, sowie Veranstaltungen von Dorffesten.